Im Arbeitsalltag ist ein Feedback unter Kolleg:innen von Zeit zu Zeit Gold wert, gerade im Hinblick auf die Selbstorganisation. Durch die Einführung einer Feedback-Methode könnt Ihr besser austarieren, wo es neue Schwerpunkte oder ein Umdenken braucht und was gerne so bleiben kann, wie es ist.
Als Struktur für gelungene Rückmeldeprozesse geben wir gerne das Peer-Feedback an die Hand – eine strukturierte 3-Runden-Methode basierend auf dem Ansatz der Soziokratie 3.0.
Im Folgenden verraten wir Euch, wie Ihr es konkret umsetzen könnt.
Ganz im Sinne der Soziokratie steht im Zentrum dieses Feedbackprozesses die eigene Rolle innerhalb des Teams oder eines Arbeitskreises und damit die Fragen:
Wie fülle ich meine Rolle aus? Wie sehen mich andere in meiner Rolle und wie sehe ich mich selbst darin?
Wenn du Feedback einholen möchtest, wirst du zum Feedbacknehmer bzw. zur Feedbacknehmerin. Die Peers sind in diesem Kontext Personen, mit denen du direkt zusammenarbeitest, die dich also in deiner Arbeit aktiv erleben.
Die Auswahl der Peers wird frei von Hierarchien getroffen. Denn es geht um eine Rückmeldung auf Augenhöhe, die gleichwertig ist, egal, von wem sie kommt. Wenn es dir um ein vertrauliches Feedback geht, reicht es, nur eine Person zu bitten, Feedback zu geben. An sich ist es allerdings wirkungsvoller, drei bis fünf Peers einzuladen.
Als Feedbacknehmer:in trägst du die Verantwortung für dieses Vorhaben. Du sorgst also selbstorganisiert dafür, dass du die gewünschte Rückmeldung erhältst, indem du die jeweiligen Peers, die dir Feedback geben sollen, auswählst und einlädst. Damit legst du den zentralen Grundbaustein für den nun folgenden Prozess.
Es kann allerdings sinnvoll sein, eine Moderation zu bestimmen, die für einen transparenten Ablauf sorgt und durch den Prozess führt, damit du dich ganz auf das Feedback konzentrieren kannst.
Du kannst für diesen Austausch in der Regel 30 bis 60 Minuten ansetzen.
In ihrer Struktur ist diese Feedback-Methode kreisförmig, indem die Beteiligten insgesamt drei Runden miteinander drehen, in denen jeweils alle, immer nacheinander, zu Wort kommen. Es ergibt sich also kein Ping-Pong zwischen Feedbacknehmer:in und Peers, damit das Gesagte wirken kann und ohne dass eine Verteidigungsatmosphäre entsteht.
Als Feedbacknehmer:in beginnst du selbst den Prozess, indem du jede Runde startest. Daran angeschlossen teilen die Peers reihum ihre ergänzenden Sichtweisen mit. Alle können aufeinander Bezug nehmen, indem verwandte Punkte aufgegriffen werden und bereits Gesagtes relativiert, betont oder abgeschwächt wird.
In den drei Runden stehen jeweils unterschiedliche Fragen im Zentrum:
Erst selbst, dann die anderen.
Erst selbst, dann die anderen.
Erst selbst, dann die anderen.
Wenn die drei Runden abgeschlossen sind, liegt es letztlich ganz bei dir als Feedbacknehmer:in, was du mit den Rückmeldungen anfängst. In erster Linie sind sie als Geschenke an dich zu betrachten, die angenommen werden können, aber nicht müssen.
Dementsprechend brauchst du auch keine Aktionen daraus abzuleiten oder Versprechungen zu machen, wenn du das nicht möchtest. Wenn es dir allerdings als Feedbacknehmer:in auch um Selbstverpflichtung geht, kann es sinnvoll sein, Aktionen und Versprechen vor der Gruppe zu formulieren. Damit kannst du für dich selbst sicherstellen, dass du auf der Grundlage des Feedbacks in der nächsten Zeit ins Handeln kommst.
In jedem Fall sind die eingeholten Rückmeldungen eine wertvolle Basis zur Selbstreflexion. Gleichzeitig ergibt sich daraus Transparenz im Miteinander. Denn das Peer-Feedback bietet einen Rahmen, in dem die Zusammenarbeit gemeinsam betrachtet wird und Aspekte formuliert werden, die sonst oft unausgesprochen bleiben. Damit ist es aus unserer Sicht eine Methode, bei der es sich absolut lohnt, sie in die eigene Organisation zu integrieren, nicht zuletzt, um Eure Kultur ein Stück vitaler werden zu lassen.
Bockelbrink, B., Priest, J. & David, L. (2024): Peer Feedback. In: A Practical Guide to Soziocracy 3.0. https://patterns.sociocracy30.org/peer-feedback.html
Huisman, B., Saab, N., van den Broek, P., & van Driel, J. (2018). The impact of formative peer feedback on higher education students’ academic writing: a Meta-Analysis. Assessment & Evaluation in Higher Education, 44(6), 863–880. https://doi.org/10.1080/02602938.2018.1545896